Filmkritik – Almodóvars Zerrissene Umarmungen

Heute geht es einmal Off-Topic um einen Film den ich vor einigen Wochen analog in Madrid im Kino gesehen habe und der erst im August in Deutschland in die Filmtheater kommt. Zerrissene Umarmungen / Los Abrazos Rotos von Pedro Almodóvar.

Pressetext: Schon beim Casting für seinen neuesten Film verliebt sich der junge Regisseur Mateo Blanco (Lluís Homar) leidenschaftlich in die wunderschöne Hauptdarstellerin Lena (Penélope Cruz). Eine gefährliche Leidenschaft, denn Lena ist mit einem Bankier verheiratet, der jeden ihrer Schritte argwöhnisch überwachen lässt. Und auch Mateos treue Assistentin Judit reagiert eifersüchtig. Die Lage spitzt sich bei den Dreharbeiten immer weiter zu und gipfelt in einem tragischen Autounfall, bei dem Lena ihr Leben und Mateo sein Augenlicht verliert… 14 Jahre später führt Mateo unter neuer Identität ein ruhiges Leben als Autor und scheint seine Vergangenheit erfolgreich verdrängt zu haben. Als er aber nach einem Unfall seines Sohnes an dessen Krankenbett wachen muss, beginnt er sich plötzlich zu erinnern – und zu erzählen…

Der Bankier ist nicht nur mit Lena verheiratet, sondern finanziert auch Matteos Film „Frauen und Koffer“ (der sehr stark an Almodòvars ersten Welthit erinnert: Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs„). Er sorgt dafür, dass seine Frau die Hauptrolle bekommt. Dieses Szenario erinnert ans echte Leben, genauer gesagt an Almodóvars Film „Das Kloster zum heiligen Wahnsinn“ aus dem Jahr 1983, der ebenfalls von einem Multimillionär finanziert wurde. Dieser hatte eine Filmproduktionsfirma gegründet, eigens um seine Frau bei Laune zu halten, die damit drohte ihn zu verlassen. Und die dann auch die Hauptrolle in dem Film bekam. Aber das nur am Rande…

„Zerrissene Umarmungen“ ist ein Film-Noir und ein Liebesdrama, ein düsterer und ein heller Film zugleich. Almodóvar kann sich immer noch für bunte Farben an den Wänden seiner Filmsets begeistern, nur setzt er sie jetzt anders ein. In der Villa des Bankiers hängen zwischen dunklen Hölzvertäfelungen grelle Pop-Art-Bilder, die in bunten Farben Küchenmesser (Modell Horrorfilm) und Maschinengewehre zeigen. Damit deuten sie auf subtile Weise an, dass wir uns in einem Film befinden, der sich mehr und mehr zu einem Hitchcock-artigen-Thriller entwickeln wird.

Almodovar ist ein Meister der Genre-Vermischung. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Seine Figuren sind vielleicht nicht so tief gezeichnet wie in manchen seiner Meisterwerke, aber oberflächlich sind sie deshalb noch lange nicht. Er liefert extrem starke Bilder, wie in der Sexszene, in der wir lediglich die Kamera am Rand einer Couch vorbeifahren sehen. Oder die andere Liebesszene, die Almodóvar am Set umgeschriebenen hat, in der man zwei Menschen komplett in eine weiße Decke eingewickelt sieht. Sie verschmelzen zu einer organischen Masse. Der Zuschauer kann erahnen, dass es sich bei der einen Person um Penelope Cruz‘ Charakter handeln muss. Bei ihrem Partner tippt man hingegen leicht auf den Falschen – und ist umso mehr erstaunt, sogar erschrocken, als man sieht wer sich unter der Decke wirklich verbirgt.

Gegen Ende des Films entführt Almodóvar in einer Rückblende in die unwirkliche, dunkle Felsenlandschaft Fuerteventuras, und dem fatalen Unfall, nur um danach mit einem Happy End zurückkehren zu den grellen Szenen aus dem Film im Film, „Frauen und Koffer“. Und diese Reise gelingt.

Und deswegen wird Almodóvar immer mehr zu meinem Lieblings-Autorenfilmer.

2 Gedanken zu „Filmkritik – Almodóvars Zerrissene Umarmungen

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