Deutsches Monster-B-Movie NAGIRA: “Es war die Aufgabe als solches, die mich gereizt hat”

NAGIRA – Trailer zum Film from Nagira Promotion on Vimeo.

1986 – Ein mysteriöser Meteorit schlägt auf der Erde ein. Hochrangige Wissenschaftler finden auf dem Gestein Spuren ausserirdischen Lebens und machen sich an die Entschlüsselung des Erbgutes. Als Jahre später der Durchbruch gelingt, brennt das Labor bis auf die Grundmauern nieder. Der führende Kopf des Teams wird kurz darauf im Krankenhaus ermordet. Ein milliardenschwerer Waffenmogul gerät ins Visier der Ermittler, als plötzlich ein haushohes Monster einen ganzen Stadtteil in Schutt und Asche legt. Selbst die Armee erweist sich mit ihren Panzern und Raketen als chancenlos…

Die Inhaltsangabe von Nagira klingt nach einem waschechten japanischen Kaijū aus einer längst vergangenen Periode des Filmemachens. In Wahrheit handelt es sich um eine aktuelle deutsche B-Movie-Produktion aus Deutschland.

Mit einem Budget von nur 3.400 € realisierte Regisseur und Drehbuchautor Florian Schröder eine äußerst liebevolle Hommage an die B-Movies und das japanische Monsterkino der 70er Jahre. Am 14. November feiert der Film seine Premiere im Xinedome Kino in Ulm, eine DVD-Auswertung ist geplant.

Im Interview verrät der Regisseur, was ihn bewogen hat den Film zu drehen.

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metropolog: Wie bist du denn auf die wahnwitzige Idee gekommen einen deutschen Riesenmonster-Film zu drehen?

Florian Schröder: Es war die Aufgabe als solches, die mich sehr gereizt hat.

Das Monsterfilm- B-Movie- und Grindhouse-Genre gibt es ja in Deutschland eigentlich nicht. Somit war also noch vor Drehbeginn klar, dass NAGIRA klar auf einer Außenseiterposition spielen würde. Für diesen Film ist eben ein Backgroundwissen nötig ist, das 80% des deutschen Filmpublikums schlicht weg nicht haben.

Jetzt könnte man sich strategisch den Tatsachen natürlich beugen, die Thematik seines Filmes ändern und den vorhandenen Gegebenheiten anpassen. Also z.B. eine “spritzige” Beziehungs- und Verwechslungskomödie mit ein paar Gags über die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau drehen. Wohlgemerkt aber so, das jeder drüber lachen kann. Denn da liegt der Schlüssel zum Erfolg im deutschen Film.

Dieses kalkulierte “Gefallen wollen um jeden Preis” ist mir aber extrem zu wieder. Ich glaube, ich könnte das nicht mal, wenn ich wollte. Deshalb hab ich mich für einen Monsterfilm entschieden. Ohne Budget, ohne Förderung oder zusätzliche Hilfe. Ich konnte alles so machen, wie ich es wollte. Einzig der Budgetrahmen von 3400 € hat mich eingeschränkt. Auch wenn das ein mit Sicherheit eine abgedroschene Phrase ist, aber: “Ich bin ein Fan der Herausforderung”.

Und in Deutschland eine Langfilm-Grindhose-Hommage an das Monsterkino der 70er Jahre ohne Geld in 18 Tagen zu drehen, ist mit Sicherheit eine…

metropolog: Du hast die ganzen Effekte alleine gemacht. Wie lange hast du denn dafür gebraucht?

Florian Schröder: Eigentlich ist immer die Idee die schwerste Geburt. Wenn man herausgefunden hat, wie ein Trick technisch funktionieren kann, ist die Umsetzung nur noch eine reine Fleißaufgaben.

Das Monster hat letztlich vier bis fünf Designanläufe hinter sich. Es war anfangs mit Maya in 3D entworfen worden, sah dann aber wirklich uncool und beschissen aus. Für Computereffekte braucht man einfach ein Team und Geld.

Dann gabs eine Version, in der das Monster als Kostüm entworfen wurde. War dann aber optisch zu nahe an den Toho-Monstern von Godzilla dran. Zum Schluss habe ich mich für die Stop & Motion-Idee entschieden. Somit hatte ich das 60s-Flair der Ray Harryhausen Filme und konnte die Idee einer “Mutation” mit organischen Material umsetzten; sprich mit denn “Designstil der Natur” arbeiten.

Ich wollte schließlich ein eigenes Monster. Eines, das es so noch nicht und auch nicht so Ähnlich gab. Das alles hat von der Idee bis zum fertigen Monster fünf Wochen gedauert. Die Stop-Motion-Aufnahmen dauerten circa fünf bis sechs Wochen. Ähnlich ging’s mit dem Riesenroboter und diversen anderen kleinen Effekten im Film.

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metropolog: Ich hab das schon in einem anderen Interview gelesen, aber kannst du es bitte noch mal erklären: Das Monster ist aus Teilen von einem echten Piranha, einer Schlange und einer Krabbe. Klingt abenteuerlich. Wie bist du denn auf diese Kombination gekommen und vor allem – wie hast du das Monster über den Drehzeitraum frisch gehalten?

Florian Schröder: Die Tiere waren natürlich alle vorher schon tot und mit Formaldehyd konserviert. Mit Verwesung gab es also keine Probleme. Die Modelliermasse, der Heißkleber, die Kalkschale des Krebses und die konservierte Fischhaut haben allerdings nicht besonders gut miteinander harmoniert…

Das Modell war extrem empfindlich und brüchig, so dass es sicherlich über 30 mal bei den Aufnahmen auseinander gefallen ist. Als es zum Schluss für das Filmfinale verbrannt wurde, hat mir das schon fast eine Art Genugtuung gegeben, weil es mich so oft aufgeregt hat. Die Idee der Optik lag, wie ich schon sagte, das Design bzw. die Handschrift der Natur zu zitieren.

Das ist auch letztlich der einzige Weg. Absolut jedes Filmmonster hat dort seinen Ursprung. Godzilla sieht aus eine Echse, King Kong ist ein Affe, und das Monster der schwarzen Lagune ist eine Art Molch usw usf. Außer dem Blob natürlich, aber das ist rosa Rotz.

metropolog: Was waren die größten Hürden, mit denen du bei der Produktion zu kämpfen hattest? Also jetzt mal abgesehen von der Tatsache, dass in Deutschland niemand Geld für einen Monster-B-Movie zur Verfügung stellt…

Florian Schröder: Die größte Hürde ist – aber das ist bei jedem Dreh so – die Ruhe und den Überblick zu bewahren. Je besser die Organisation im Vorfeld, umso besser läuft später der Dreh.

Nennenswerte Hürden oder Problem während des Drehs gab es eigentlich nicht. Letztlich war ich Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Aufnahmeleitung, Schauspieler, Maske, Kulissenbauer, Fahrer, Ansprechperson, Bühnenbildner und Catering in einer Person.

Das ist alles ohne Probleme zu schaffen, aber wenn dann Einer obendrein rumjammert, weil der Kaffee leer ist, werden die Nerven auf eine wirklich harte Probe gestellt.

metropolog: Klingt ziemlich spielerisch. Aber sich um die Setbauten zu kümmern und gleichzeitig zu überlegen, wie man die nächste Szene auflöst und dann vielleicht noch als Fahrer irgendwas abholen müssen – klingt nicht wirklich wie ein Spaziergang. Wie hast du dich selbst organisiert, um den Überblick nicht zu verlieren?

Florian Schröder: Spielerisch ist das natürlich wirklich nicht. Wer ohne Geld dreht, hat meiner Meinung nach wesentlich härte Bedingungen als z.B. bei einer Hollywood-Produktion, bei der es alleine zwanzig Assistenten für den Regisseur gibt.

Aber wer wie ich in den 80er Jahren aufgewachsen ist, weiß Dank dem A-Team und MacGywer, wie ein richtiger Plan zu funktionieren hat. Die Logistik ist letztlich wie ein Puzzle, das sich aus der vorhandenen Zeit, den benötigten Schauspielern, dem zu transportierenden Material bzw. Requisiten, dem Drehort und sonstigen Faktoren zusammensetzt. Ich empfehle, das alles in einer Excel-Tabelle aufzuschlüsseln und je nach Bedarf zusammenzusetzten. Am Besten so, dass beim Dreh nur noch ein „Malen nach Zahlen“ stattfinden muss.

Ideal ist auf jeden Fall, immer einen Plan B im Drehplan zu haben. Wenn zum Beispiel (wie bei uns geschehen) der katholische Kinderchor unangemeldet zur Probe erscheint, muss eben eine andere Szene zu dieser Zeit an der aktuellen Location möglich sein. Dafür hatten wir aber eine spätbarocke Örtlichkeit des Weltkulturerbes zur kostenlosen Verfügung, für die eine richtige Produktionsfirma das doppelte unseres gesamten Budget pro Tag hätte bezahlen müssen.

Merke: Eine gute Low Budget-Planung muss also auch die „Variable X“ zu einem sehr großen Maße beinhalten. Zu einem wirklich sehr großen Maß…

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metropolog: Der Trailer sieht echt super aus. Trifft die 70er-Jahre Trashstimmung total super. Und das muss man ja erst mal hinbekommen. Hast du irgendeinen professionellen Hintergrund oder bist du einfach nur ein Filmfreak mit zu viel Zeit?

Florian Schröder: Vielen Dank ! Auf einer Filmhochschule war ich leider nie. Allerdings bin ich beruflich im Marketing und der Werbung tätig. Deshalb sind kreative Ideen und die optische Umsetzung für mich das tägliche Brot. Das mache ich jetzt schon fast zehn Jahre nebenbei, das letzte Jahr aufgrund der gewachsenen Auftragslage auf selbständiger Basis.

Das Medium Film habe ich mir autodidaktisch angeeignet, teils als Assistenz bei Werbefilmen und teils bei Guerillaproduktionen im kleinen Rahmen. Filmemachen ist auch ganz genau das, was ich in Zukunft machen will.

NAGIRA war sozusagen meine persönliche Hardliner-Feuertaufe :) Und ein fanatischer Filmfreak bin ich auch, leider ohne viel Zeit.

metropolog: Wie sieht es denn mit der Verwertung des Films aus. Wo kann man den Streifen sehen?

Florian Schröder: Der Film ist jetzt fertig und wird am 14. November 2009 in Ulm im Xinedome Kino seine Premiere feiern. Danach gibt eine Aftershow-Party in Su Casa Club, der sich im gleichen Gebäude wie das Kino befindet.

Mittlerweile habe ich den Film schon an ein paar Festivals in Deutschland geschickt. Es wird aber wahrscheinlich sehr schwer, dort mithalten zu können, da auf den meisten Festivals Filme mit „richtigem Budget“ laufen und NAGIRA eben noch zusätzlich diesen Nerd-Stempel hat.

Wer aber ein geeignet Festival für uns weiß, darf mir gerne unter info@nagira-film.de eine Mail schreiben. Dafür wäre ich jedenfalls sehr dankbar! Nach dem sogenannten Festivaljahr kommt der Film dann auf DVD ganz regulär mit geringer Auflagen in den Handel und (je nach Interesse von Vertrieben oder Verleihern) auch eventuell in die Videotheken.

metropolog: Vielen Dank für das Interview!

Aktuelle Infos findet zum Film findet Ihr auf www.nagira-film.de

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