11. November 2009 • Magazin
“Harmonie ist doch wie Mathematik…”
“Harmonie ist eine kapitalistische Verschwörung um Pianos zu verkaufen!”
(Untitled) – Trailer 1 – In Theaters Oct. 23rd!
(Untitled) | MySpace Video
Adrian Jacobs (Adam Goldberg) macht Experimantalmusik. Zentraler Ankerpunkt seiner aktuellen Kompositionen sind rhythmische Tritte gegen einen Eimer.
Sein Bruder Josh malt bunte Farbklecks-Bilder die richtig Asche bringen. In Zahnarztpraxen und Hotelfluren. Doch selbst seine eigene Galleristin Madeleine (bezaubernd Marley Shelton) weigert sich eine Ausstellung mit seinen Bildern zu organisieren und verkauft sie nur im Hinterzimmer.
Ray Barko (Vinnie Jones) ist ein extravaganter Künstler der im Morgenmantel rumläuft und Kunst aus Perlen und ausgestopften Tieren bastelt, Monroe ein nicht weniger extravaganter Künstler, der Kunst aus einzelnen Stecknadeln und Post-Its bastelt und leichte Züge eines Serienmörders an den Tag legt.
Porter Canby ist ein ehemaliger Hedge Fond Manager, der zum Kunstsammler mutiert ist, ganz nach seinem Motto: “Art makes me seem like I’m not such a dull guy.”
Die Figuren in Jonathan Parkers neuem Film “(Untitled)” sind allesamt armselige Würstchen. Gestrandete im Ozean der modernen Kunst, deren Strömung sie zu verschlingen droht. Gleich in der ersten Szene offenbart Adrian, der so etwas wie der Hauptcharakter des Films ist, seinem Bruder, dass er einen Plan entworfen hat:
Er versucht noch drei weitere Jahre den Durchbruch mit seiner Musik zu erlangen. “Und wenn das nicht klappt, suchst du dir einen Job?”, fragt sein Bruder. “Nein, dann bringe ich mich um”, erklärt Adrian trocken. Das Publikum im Kino lacht sich schlapp.
Ich habe den Film gestern auf dem Filmfestival Mannheim-Heidelberg gesehen. Eine richtige Komödie in der Mitte des Festivals ist immer wichtig, um den Festivalzirkus zu überstehen ohne Schaden an der Seele zu nehmen, bei den ganzen trostlosen Dramen. Und ich habe gelacht.
“(Untitled)” ist aber auch ein trauriger Film. Weil er die moderne Kunstwelt so treffend darstellt. Und ein saukomischer Film. Weil er die moderne Kunstwelt so treffend darstellt.
Das ganze Kino hat sich stellenweise geschüttelt vor lachen, besonders bei der Szene im Haus des Kunstsammlers, der sein trautes Heim in ein wahres Horrorkabinett zeitgenössischer Kunstentgleisungen verwandelt hat. Vielleicht hat ”(Untitled)” das Zeug zum Kultfilm in der Kunstszene. Die Zeit wäre sicherlich reif, jede Branche hat so ihren Film, zum Beispiel “Living in Oblivion” für die Kinowelt. “Art School Confidential
” hat ja auch versucht ein Spiegelbild der modernen Kunstwelt darzustellen, aber tatsächlich – “(Untitled)” liefert ein noch viel runderes Bild.
Manchmal hat man Probleme mit den Hauptfiguren mitzufiebern, ist mancher Dialog zu phrasenhaft und man möchte den Darstellern einen Rettungsring zuwerfen, damit sie sich endlich aus ihrem zum Teil selbstgeschaffenen Elend befreien können. Aber sie sind eben Künstler.
Am Schluss dann sogar ein Hoffnungsschimmer. Zum Glück.
Offiziele Homepage: untitled-themovie.com
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