Wie gründet man ein eigenes Web-TV-Portal?

Ein Interview mit Norbert Kaiser der mit seinem Portal artmetropol.tv ein erstklassiges Kulturprogramm im Netz betreibt.

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[Standbild: Moderatorin Stephanie Neigel im Gespräch mit Culcha Candela]

Ich treffe Norbert Kaiser im “Prag”. Nicht in der Stadt, sondern in dem Cafè. Dort wo sich die “Mannheimer Boheme” gerne blicken lässt.

Das passt ja, denke ich mir. Kaisers WebTV Portal artmetropol.tv, dass er seit Herbst 2007 betreibt, versteht sich immerhin als Kulturprogramm. Da schadet ein bisschen Repräsentieren im Dunstkreis von Kaffeehauskultur sicherlich nicht.

Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagt er, während ich mich an seinen Tisch setze: “Schön hier nicht. Man müsste öfter ins Cafè gehen.”

“Klar sage ich. Aber man hat halt nie Zeit.”

“Man hätte schon Zeit. Zumindest wenn man die Dinge lassen würden, die später doch nichts bringen.”

Seine Frau sieht ihn mittlerweile so selten, dass sie ein Foto von ihm als Ersatz aufgestellt hat, scherzt er, als ich meine Unterlagen sortiere. Ist es denn wirklich so schlimm bestellt, um den Arbeitsaufwand, wenn man sein eigenes Portal gründet, denke ich?

Und frage schließlich:

metropolog: Wie bist du eigentlich darauf gekommen ein Web-TV-Portal zu gründen?

Norbert Kaiser: Aus zwei Gründen: Im Herbst 2006 habe ich in einem Fachartikel gelesen, dass Web-TV und Spartenprogramm im Internet gute Chancen haben werden. Und da ich Filmwissenschaftler bin dachte ich mir, dass Fachwissen dazu habe ich. Ich hatte gerade mit meinem vorherigen Arbeitgeber abgeschlossen und war auf der Suche nach etwas Neuem.

Und da ich ja Größenwahnsinnig bin und schon immer Fernsehen selber machen wollte, dachte ich: “Total krass. Ich mache meinen eigenen Sender auf und werde mein eigener Intendant!”

metropolog: Wie beschreibst du das Portal, dass du betreibst?

Norbert Kaiser: Ich nenne es nicht Kultur-Portal, sondern ganz klassisch WebTV. Erstens will ich Niemanden verschrecken. Wenn das Wort Kultur fällt sagen viele gleich, “ach Kultur, dass ist ja nichts für mich”. Aber es geht bei artmetropol.tv nicht um elitäre Kultur, sondern Kultur, die jeder verstehen soll, wo man auch gerne mal nachfragen kann. Wir wollen keine hermetisch in sich geschlossene Gruppe bedienen.

Wir betreiben ein Kultur-WebTV für die Metropol-Region Rhein-Neckar – also Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und Umgebung – aber wir heißen artmetropol.tv, weil der Gedanke schon da ist auch mal irgendwann bundesweit zu arbeiten.

metropolog: Wie hast du es geschafft deine Idee zu stemmen? Man braucht ja auch Leute vor der Kamera. Leute die lange durchhalten können, wenn sie vielleicht nicht so viel Geld bekommen.

Norbert Kaiser: Ich habe zuerst ein Aushang an der Uni gemacht. Dadurch habe ich die ersten zwei Moderatorinnen gefunden.

Was die ersten Dreharbeiten betrifft, muss ich sagen: Überall wo wir hinwollten, durften wir auch hin. Es gab von Seiten der Veranstalter nie eine Skepsis. Das war eigentlich das Wichtigste am Anfang. Recht schnell hatten wir Leute mit bekannten Namen, wie Corinna Harfouch, im Programm.

Oder Roger Wilemsen, der gesagt hat: “Ich hab keine Ahnung was ihr da macht. Aber ich guck mir die Seite mal an. Und wenn es mir gefällt, dann kann ich mir vorstellen in die Sendung zu kommen.”

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[Standbild: Moderatorin Rita Böhmer im Gespräch mit der dänischen Singer-Songwriterin Tina Dico]

metropolog: Wie viele Leute sind bei artmetropol.tv involviert?

Norbert Kaiser: Sieben Leute.

Je nach Budget. Im Bereich aktueller Berichterstattung kann es auch mal passieren, dass ich alleine rausgehe wenn gerade niemand greifbar ist.

metropolog: Die Chancen bei Web-TV sind ja, dass man hergehen kann und Strukturen die sich über Jahrzehnte verfestigt haben und die definieren, wie man Fernsehen zu machen hat, auf den Kopf stellen kann. Siehst du das auch so?

Norbert Kaiser: Man kann das Fernsehen ja nicht neu erfinden. Das gelingt im herkömmlichen Fernsehen nicht, und das wird im Web auch sehr schwer sein. “Strukturen auf den Kopf stellen” sehe ich viel eher im Hinblick auf die Strukturen die so ein Wasserkopf wie ein öffentlich-rechtlicher Sender oder auch ein privater Sender haben.

Und diese Strukturen braucht man nicht alle: Man braucht diesen Dünkel nicht, man braucht eine gute Kamera, man braucht jemanden der Ahnung hat, wie man mit der Kamera umgeht und jemand der ein Interesse hat sich mit Themen redaktionell auseinander zusetzen. Das alles haben wir, und das unterscheidet uns von dem ganzen Trash im Web.

Es gibt ja viel Material im Internet, aber es gibt wenig von dem man als Zuschauer profitiert.

metropolog: Du hast also einen Bericht gelesen, in dem es hieß Web-TV sei die Zukunft. Jetzt zwei Jahre später: Wie sind deine Erfahrungen, was hat sich gewandelt?

Norbert Kaiser: Ich finde, dass man mittlerweile das Thema WebTV deutlicher im Blick hat. Wir sind jetzt schon ein paar Jahre dabei, haben einen riesen Fundus…
Seit April haben wir außerdem diesen Webkiosk am Eingang der Planken in Mannheim, in dem wir unser Studio eingerichtet haben. Dadurch ist die Aufmerksamkeit auf unsere Seite noch mal spürbar gestiegen.

Die Rückmeldungen sind sehr positiv und ich glaube, dass wir dabei sind uns einen Namen zu machen. Wir müssen nur durchhalten. Noch ein bis zwei Jahre. Die werden mit Sicherheit noch kritisch sein.

Weitere Informationen: artmetropol.tv

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