Schlagwort-Archiv: crowdfunding

Webserien finanzieren

Webserien sind noch immer ein junges Format, das in Deutschland einige Rückschläge erlitten hat. Wer sich schon länger mit dem Thema beschäftigt, erinnert sich vielleicht noch an das Webserien-Portal 3min.de, das von der Telekom gestartet wurde. Hier wurde versucht hochwertige Web-Unterhaltung, mit vergleichsweise hohen Budgets, in Deutschland zu etablieren. 2011 ist das Projekt gescheitert.
Das heißt nicht, dass Webserien nicht trotzdem ein großes Innovationspotential besitzten. Doch wie viel Geld muss ich in eine Produktion stecken und was sind die Umsatzmöglichkeiten? Wie erstelle ich ein Budget und wie bekomme ich eine Finanzierung zustande? Leider investieren etablierte Produktionsfirmen zurzeit wenig bis gar nicht in das Format, dementsprechend muss man sich fragen, ob es alternative Finazierungskonzepte gibt. Hier vier Ideen, um die Webserie an den Start zu bringen:

Sponsoring

Fast scheint es, als ob die professionell produzierte Webserie in unseren Breitengraden nur noch in den Büros schicker Werbeagenturen existiert, die damit neue Produkte bewerben wollen. Da bleibt die Kreativität des Autorenfilmers schon mal auf der Strecke. Da wir unsere eigenen Webserien-Konzepte kaum so verbiegen können, um damit einen neuen City-Flitzer in Szene zu setzen, wird diese Art der Finanzierung wenig Sinn machen.
Dennoch ist es möglich Sponsoren für eine Webserie zu finden. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, sollte man sich im Vorfeld fragen, wie groß die Identifikation des Unternehmens mit dem Filmkonzept ist. Ist es ein regionales Projekt und der regionale Branchenriese möchte vor Ort zeigen, dass er sich in die Kulturlandschaft einbringt? Ein Filmgerätehersteller, der zeigen will, was mit seiner neuen Steadycam möglich ist? Ein Kostümverleih, der seine Ware in Eurer Fantasy-Serie präsentieren will? Desto größer der Nutzen für das Unternehmen. Und je größer das Identifikationspotential, desto größer die Chance, dass man euch nicht nur ein paar belegte Stullen sponsort. Was aber in jedem Fall anfällt: Viele Klinken putzen.

Crowdfunding

Nicht wenige Webserien wurden komplett oder zum Teil über Crowdfunding finanziert. Für erfolgreiches Crowdfunding ist in der Regel viel Werbung und Social-Media-Aktivität nötig. Die Chancen auf Erfolg steigen, wenn man bereits eine Fanbase besitzt, die man aktivieren kann, beispielsweise durch ein vorhergegangenes Erfolgsprojekt. Es gibt aber auch Projekte, die aus dem Nichts auf den einschlägigen Portalen wie startnext.de aufgetaucht sind und grandios finanziert wurden. Auffällig ist allerdings, dass Crowdfunding besonders bei Projekten mit einen hohen Coolness-Faktor, sprich dem »Gewissen Etwas« funktioniert. Hilfreich scheint es auch zu sein, wenn man ein Thema mit einer großen Fangemeinde bedient. So werden heutzutage viele Steampunk-Projekte erfolgreich finanziert (aber längst nicht mehr alle).
Grundsätzlich muss man bei Crowdfunding einrechnen, dass die Summe die man einsammelt höher sein muss, als die Summe die man eigentlich braucht, da auch noch Kosten für die Geschenke anfallen, die man den Unterstützern macht.

Förderungen

Klassische Filmförderungen werden sich kaum für die Finanzierung einer Webserie interessieren. Zum Glück gibt es neben den großen Anstalten noch andere Möglichkeiten. Beispielsweise über das Kulturamt, der Stadt, in der gedreht wird. In Mannheim ließen sich hier zum Beispiel bis zu 50-Prozent der Produktionskosten beantragen. Projekte mit einem sozialen Hintergrund, können außerdem an Ausschreibungen zu bestimmten Themen (beispielsweise Integration) teilnehmen und auf diesem Weg an Fördertöpfe kommen.

Rückstellungen

Nachwuchsfilmer übersehen gelegentlich, dass auch Rückstellungsverträge eine Art von Finanzierung sind. Bei manchen Förderprogrammen können sie als tatsächliche Kosten eingereicht werden. Um einen professionellen Filmschaffenden davon zu überzeugen, nur auf Grundlage eines Rückstellungsvertrages zu arbeiten und auf sein Honorar komplett oder teilweise zu verzichten, muss natürlich eine Gewinnabsicht mit dem Projekt erkennbar sein.

Ren: Born-Of-Hope-Team produziert neue Webserie

Wer erinnert sich noch an den „Herrn der Ringe“-Fanfilm „Born of Hope“? Den gab es 2009 kostenlos im Netz zu sehen. Nun geht die Filmemacherin Kate Madison ein eigenständiges Projekt an. Die Fantasy-Webserie „Ren“ wurde gerade erfolgreich auf Kickstarter finanziert. Wieder einmal zeigt sich, dass es sinnvoll ist bereits eine Fanbase aufzubauen bevor man ein größeres Crowd-Funding-Projekt angeht.

Wie auch immer, was Madison und ihr Team bereits vorbereitet haben, sieht mal wieder atemberaubend aus. Wir dürfen also auf die fertige Webserie gespannt sein, die ab Frühjahr 2014 zu sehen sein soll.

Bret Easton Ellis – Paul Schrader – Kickstarter

Jetzt springen sogar schon Paul Schrader und Bret Easton Ellis auf den Crowdfunding-Zug auf und versuchen über Kickstarter Geld für ihren neuen gemeinsamen Independent-Thriller The Canyons zu sammeln. Allerdings sollen die 100.000-Dollar, die sie mit der Kampagne erreichen wollen, nicht den kompletten Film bezahlen …

Hier geht’s zur Kickstarter-Seite.

Via 5 Filmfreunde

Webserie – Webstar „Ze Frank“ kehrt zurück, Crowdfunding sei Dank

Webstar Ze Frank wollte 50.000 Dollar per Crowdfunding sammeln, um seine the show with zefrank wiederzubeleben. Letztendlich hat er knapp 150.000 Dollar zusammenbekommen.

Doch wer ist eigentlich Ze Frank, und was ist das für eine „Show“, die er da macht? Ehrlich gesagt: Keine Ahnung. Irgendwie habe ich die erste Staffel komplett verschlaffen. Aber laut Johnny Haeusler von Spreeblick ist Ze Frank „Einer der wunderbarsten Charaktere, den das Netz je hervorgebracht hat“. Und das reicht mir erst mal als Empfehlung.

Mehr Infos: ashow.zefrank.com

Heißes Thema: Crowdfunding für Spielfilme

In den letzten Tagen war überall in der Presse von „Crowdfunding“ im Spielfilmbereich zu lesen. Verständlich: Wenn teamworx ankündigt einen Erotikfilm mit namhaften Schauspielern zu produzieren, dann ist das ein Zug bei dem Medien wie Bild oder Spiegel gerne aufspringen.

Aber ist die Zeit schon reif für Crowdfunding von Filmen in Deutschland? Und können auch unbekannte Nachwuchsfilmer davon profitieren, oder braucht es Star-Unterstützung und nackte Haut, um überhaupt wahrgenommen zu werden – wie bei Hotel Desire?

Heute berichteten die Macher von Iron Sky (Energia Productions) davon wie ihr Versuch ausgegangen ist, das Loch von 300.000 Euro in ihrem Budget (Gesamtbudget 7,5 Millionen Euro) durch crowdfunding zu stopfen. Zusammengekommen sind am Ende etwas mehr als 10.000 Euro. Dabei haben Energia Productions durch ihren Erfolgsfilm Star Wreck auf der ganzen Welt zahlreiche Fans.

Als Problem nennen sie vor allem drei Punkte:
– der Film war schon fertig gedreht, es ging nur darum Löcher in der Post-Produktion zu stopfen
(Zuschauer wollen Geld geben damit ein Projekt überhaupt erst gestartet werden kann. Ist der Film „bereits gedreht“, wirkt es für normale Zuschauer so, als wäre die wichtigste Arbeit schon getan.)
– Das Ziel war mit 300.000 Euro zu hoch gesteckt
– Sie haben zu viele verschiedene Crowdfunding-Plattformen genutzt, was Nutzer eher verwirrt hat

Durch nackte Tatsachen zum Ziel?

Bei Hotel Desire verlassen sich die Filmemacher auf keine der zahlreichen Crowdfunding-Portale die überall aus dem Boden schießen, sondern ermöglichen Spenden und Finanzierungen nur über die eigene Webseite.

Die Anreize für die Unterstützer sind gut gewählt: Schon ab 5 Euro erhält man einen Streaming-Gutschein für den fertigen Film. Auch eine lustige Idee: Desto höher der Spendenbalken geht, umso mehr Drehbuchkapitel werden freigeschaltet. Es passiert also immer etwas Neues auf der Homepage, auch wenn man immer wieder mal vorbei schaut.

Das Thema Kunstporno ist für einen Film, der im Web entstehen und gezeigt werden soll, sicherlich günstig gewählt. Das Projekt ist auch sehr ambitioniert, und macht einen rundum viel versprechenden Eindruck. Allerdings ist die angesetzte Summe von 170.000 Euro sehr hoch. Als Ziel für die Finanzierung hat man sich 80 Tage gesetzt. Trotz zahlreicher Medienartikel ab Tag 1, kamen bisher im Durchschnitt etwa 1.000 Euro am Tag zusammen. Hier muss also noch etwas passieren, da bei gleichbleibenden Tempo nur die Hälfte der Summe zusammenkommen würde. Es bleibt also spannend, ob das Projekt überhaupt zustande kommt.

Papa Gold – Trailer 2011 from faunafink on Vimeo.

Und sonst so? Wenn man durch die zahlreichen Crowdfunding-Angebote surft, findet man zahlreiche ambitionierte Nachwuchsfilm-Projekte. Erfolgreich in der Finanzierung sind die wenigsten, wie auch in anderen Crowdfunding-Kategorien in Deutschland wenig erfolgreiche Projekte zu finden sind. Auch wirkt das große Angebot an Plattformen auf mich eher unübersichtlich. Statt einem Überangebot sollte man sich vielleicht lieber zu einem großen Portal zusammenschließen, um leichter die Nutzerströme zu kanalisieren.

Ein Projekt, dass mir bei der Recherche ins Auge gefallen ist, und dass ich gerade unterstützt habe, ist Papa Gold. Was hat Regisseur und Hauptdarsteller Tom Lass richtig gemacht, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen? Er hat ein Trailer zu seiner Projekt-Präsentation dazugestellt, der mich überzeugt hat. Grundsätzlich sicherlich nicht unerheblich: Als Nachwuchsfilmer sollte man den möglichen Investoren und Unterstützern ein hochwertigen Filmclip bieten (vielleicht auch eine Beispielszene aus dem Film), der zeigt, wie der Film später mal aussehen könnte.

Ach ja. Und was Tom Lass natürlich auch richtig gemacht hat, um Aufmerksamkeit zu wecken: Er hat das Wort SEX in der Projektbeschreibung in Großbuchstaben geschrieben. Das zieht halt doch immer.