Heißes Thema: Crowdfunding für Spielfilme

In den letzten Tagen war überall in der Presse von “Crowdfunding” im Spielfilmbereich zu lesen. Verständlich: Wenn teamworx ankündigt einen Erotikfilm mit namhaften Schauspielern zu produzieren, dann ist das ein Zug bei dem Medien wie Bild oder Spiegel gerne aufspringen.

Aber ist die Zeit schon reif für Crowdfunding von Filmen in Deutschland? Und können auch unbekannte Nachwuchsfilmer davon profitieren, oder braucht es Star-Unterstützung und nackte Haut, um überhaupt wahrgenommen zu werden – wie bei Hotel Desire?

Heute berichteten die Macher von Iron Sky (Energia Productions) davon wie ihr Versuch ausgegangen ist, das Loch von 300.000 Euro in ihrem Budget (Gesamtbudget 7,5 Millionen Euro) durch crowdfunding zu stopfen. Zusammengekommen sind am Ende etwas mehr als 10.000 Euro. Dabei haben Energia Productions durch ihren Erfolgsfilm Star Wreck auf der ganzen Welt zahlreiche Fans.

Als Problem nennen sie vor allem drei Punkte:
- der Film war schon fertig gedreht, es ging nur darum Löcher in der Post-Produktion zu stopfen
(Zuschauer wollen Geld geben damit ein Projekt überhaupt erst gestartet werden kann. Ist der Film “bereits gedreht”, wirkt es für normale Zuschauer so, als wäre die wichtigste Arbeit schon getan.)
- Das Ziel war mit 300.000 Euro zu hoch gesteckt
- Sie haben zu viele verschiedene Crowdfunding-Plattformen genutzt, was Nutzer eher verwirrt hat

Durch nackte Tatsachen zum Ziel?

Bei Hotel Desire verlassen sich die Filmemacher auf keine der zahlreichen Crowdfunding-Portale die überall aus dem Boden schießen, sondern ermöglichen Spenden und Finanzierungen nur über die eigene Webseite.

Die Anreize für die Unterstützer sind gut gewählt: Schon ab 5 Euro erhält man einen Streaming-Gutschein für den fertigen Film. Auch eine lustige Idee: Desto höher der Spendenbalken geht, umso mehr Drehbuchkapitel werden freigeschaltet. Es passiert also immer etwas Neues auf der Homepage, auch wenn man immer wieder mal vorbei schaut.

Das Thema Kunstporno ist für einen Film, der im Web entstehen und gezeigt werden soll, sicherlich günstig gewählt. Das Projekt ist auch sehr ambitioniert, und macht einen rundum viel versprechenden Eindruck. Allerdings ist die angesetzte Summe von 170.000 Euro sehr hoch. Als Ziel für die Finanzierung hat man sich 80 Tage gesetzt. Trotz zahlreicher Medienartikel ab Tag 1, kamen bisher im Durchschnitt etwa 1.000 Euro am Tag zusammen. Hier muss also noch etwas passieren, da bei gleichbleibenden Tempo nur die Hälfte der Summe zusammenkommen würde. Es bleibt also spannend, ob das Projekt überhaupt zustande kommt.

Papa Gold – Trailer 2011 from faunafink on Vimeo.

Und sonst so? Wenn man durch die zahlreichen Crowdfunding-Angebote surft, findet man zahlreiche ambitionierte Nachwuchsfilm-Projekte. Erfolgreich in der Finanzierung sind die wenigsten, wie auch in anderen Crowdfunding-Kategorien in Deutschland wenig erfolgreiche Projekte zu finden sind. Auch wirkt das große Angebot an Plattformen auf mich eher unübersichtlich. Statt einem Überangebot sollte man sich vielleicht lieber zu einem großen Portal zusammenschließen, um leichter die Nutzerströme zu kanalisieren.

Ein Projekt, dass mir bei der Recherche ins Auge gefallen ist, und dass ich gerade unterstützt habe, ist Papa Gold. Was hat Regisseur und Hauptdarsteller Tom Lass richtig gemacht, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen? Er hat ein Trailer zu seiner Projekt-Präsentation dazugestellt, der mich überzeugt hat. Grundsätzlich sicherlich nicht unerheblich: Als Nachwuchsfilmer sollte man den möglichen Investoren und Unterstützern ein hochwertigen Filmclip bieten (vielleicht auch eine Beispielszene aus dem Film), der zeigt, wie der Film später mal aussehen könnte.

Ach ja. Und was Tom Lass natürlich auch richtig gemacht hat, um Aufmerksamkeit zu wecken: Er hat das Wort SEX in der Projektbeschreibung in Großbuchstaben geschrieben. Das zieht halt doch immer.

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