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M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Ein Mann pfeift eine Melodie, ein Kind kauft einen Luftballon, kurz darauf ist es verschwunden. Fritz Langs erster Tonfilm gehört zu den einflussreichsten Kriminalfilmen überhaupt.

M – Eine Stadt sucht einen Mörder
Foto: Bundesarchiv, Bild 102-08538 (Fotograf unbekannt), CC BY-SA 3.0 de, Wikimedia Commons

Eine Stadt in Angst

In einer deutschen Großstadt werden Kinder ermordet. Die Polizei unter Kommissar Lohmann durchkämmt die Stadt, doch die Razzien treffen vor allem die Unterwelt. Deren Geschäfte leiden so sehr, dass die Verbrecher beschließen, den Mörder selbst zu fangen. Mit Hilfe der Bettler, die jeden Winkel der Stadt kennen, spüren sie ihn auf. In einer Fabrikhalle stellen sie ihn vor ein eigenes Gericht.

Der Film zeigt die Jagd von zwei Seiten und stellt Polizei und Unterwelt in parallelen Szenen nebeneinander. Am Ende steht keine einfache Lösung, sondern die Frage, wer über einen kranken Mörder urteilen darf.

Besetzung

Peter Lorre spielt den Mörder Hans Beckert, eine Rolle, die seine Karriere geprägt hat. Sein Monolog vor dem Gericht der Unterwelt ist eine der berühmtesten Szenen des deutschen Films. Gustaf Gründgens spielt den Anführer der Verbrecher, Otto Wernicke den Kommissar Lohmann. Das Drehbuch schrieb Lang wieder mit Thea von Harbou. Der Arbeitstitel lautete Mörder unter uns.

Die Premiere fand am 11. Mai 1931 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin statt.

Ton als Erzählmittel

M war Langs erster Tonfilm, und Lang nutzte den Ton sparsam und bewusst. Es gibt lange Passagen ohne Musik und ohne Dialog. Umso stärker wirkt das gepfiffene Motiv: In der Halle des Bergkönigs aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite. Der Mörder pfeift es, wenn ihn der Drang überkommt, und ein blinder Ballonverkäufer erkennt ihn später an dieser Melodie. Nach Langs eigener Aussage pfiff er die Melodie selbst ein, absichtlich unsauber.

Das Motiv ist ein frühes Beispiel für ein Leitmotiv im Tonfilm: Ein Geräusch steht für eine Figur, auch wenn sie nicht im Bild ist.

Viele Fassungen

Der Film existiert in mehreren Längen. Die zensierte Fassung von 1931 lief 117 Minuten. Nach dem Krieg war lange eine gekürzte Version von etwa 99 Minuten im Umlauf. Seitdem wurde M mehrfach restauriert, zuletzt 2011 auf Basis zusätzlicher Kopien aus Frankreich.

Laufzeiten bekannter Fassungen von M in Minuten
Laufzeiten bekannter Fassungen von M in Minuten

Gemeinfrei oder nicht?

Wie bei Der müde Tod gilt: In Deutschland ist M geschützt, bis 70 Jahre nach dem Tod Fritz Langs vergangen sind, also bis Ende 2046. In anderen Ländern gelten andere Fristen. Wer den Film im Netz findet, sollte deshalb auf die Quelle achten. Die restaurierte Fassung ist auf Blu-ray erhältlich und läuft regelmäßig im Fernsehen und in Programmkinos.

Ein Film über seine Zeit

M entstand in einer Zeit großer Unsicherheit. Die Weltwirtschaftskrise hatte Deutschland erfasst, die Arbeitslosigkeit war hoch, die Weimarer Republik politisch zerrissen. Der Film zeigt eine Gesellschaft, in der Misstrauen und Angst wachsen und in der die Menge schnell bereit ist, selbst zu richten. Viele Interpreten sehen darin eine Vorahnung dessen, was wenige Jahre später kam.

Lang selbst verließ Deutschland 1933 und arbeitete danach in Frankreich und den USA. Peter Lorre emigrierte ebenfalls und wurde in Hollywood bekannt, oft in Rollen, die an seinen Beckert erinnerten. Dass beide Karrieren außerhalb Deutschlands weitergingen, gehört zur Geschichte des Films dazu. M ist damit nicht nur ein Meilenstein des Kriminalfilms, sondern auch ein Dokument der letzten Jahre der Weimarer Republik.

Einfluss

M wurde 1951 in den USA neu verfilmt und 2019 als Serie von David Schalko neu erzählt. Krimiserien wie der Tatort, der parallel geschnittene Ermittlungen gern nutzt, stehen in seiner Tradition. Mehr über Filmklassiker und wie man sie legal sieht, versammelt die Rubrik Filme sehen. Ausführliche Angaben zu Produktion und Rezeption stehen im Wikipedia-Artikel zu M).

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