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Der müde Tod: Fritz Langs Märchen von 1921

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Bevor Fritz Lang mit Metropolis und M Filmgeschichte schrieb, drehte er ein Märchen über eine junge Frau, die dem Tod ihren Geliebten abringen will. Der müde Tod gilt als einer der schönsten Filme des deutschen Stummfilms.

Die Handlung

In einer kleinen Stadt taucht ein Fremder auf und kauft ein Stück Land neben dem Friedhof, das er mit einer hohen Mauer umgibt. Kurz darauf verschwindet ein junger Mann, der mit seiner Verlobten in der Stadt Rast macht. Die Frau folgt ihm in das Reich hinter der Mauer und steht vor dem Tod, der seiner Arbeit müde geworden ist.

In einer Halle voller brennender Kerzen, den Lebenslichtern der Menschen, bietet er ihr eine Chance: Gelingt es ihr, eines von drei flackernden Lichtern vor dem Erlöschen zu retten, bekommt sie den Geliebten zurück. Es folgen drei Episoden, in einer orientalischen Stadt, im Venedig des Karnevals und im alten China. Jedes Mal scheitert sie. Am Ende rettet sie bei einem Brand ein Kind und stirbt selbst, und erst im Tod ist sie mit ihrem Verlobten vereint.

Die Halle der Lebenslichter: Motiv aus Der müde Tod, frei nachgezeichnet
Die Halle der Lebenslichter: Motiv aus Der müde Tod, frei nachgezeichnet

Besetzung und Vorlage

Das Drehbuch schrieben Fritz Lang und Thea von Harbou. Die Geschichte greift das Grimm-Märchen vom Gevatter Tod auf. Bernhard Goetzke spielt den Tod mit einer ruhigen, fast mitleidigen Würde, die die Figur bis heute prägt. Lil Dagover ist die junge Frau, Walter Janssen ihr Verlobter. In den Episoden übernehmen beide jeweils neue Rollen, ebenso Rudolf Klein-Rogge, der später in Langs Metropolis den Erfinder Rotwang spielen sollte.

Tricktechnik

Der Film ist voller Effekte, die 1921 für Staunen sorgten: ein fliegender Teppich, ein Zauberer, der eine winzige Armee aus einer Schachtel marschieren lässt, Überblendungen, in denen Geister durch Mauern gehen. Einige dieser Tricks dienten Hollywood als Vorbild, etwa für Der Dieb von Bagdad von 1924. Wer selbst Filme macht, kann hier lernen, wie viel sich mit Kulissen, Doppelbelichtungen und Modellen erreichen lässt, ganz ohne Computer.

Restaurierung

Eine Kinokopie der deutschen Erstaufführung ist nicht erhalten. Überliefert sind nur spätere Kopien in Schwarz-Weiß, die ursprüngliche Einfärbung der Szenen war unbekannt. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hat den Film digital restauriert und die Viragierung nach erhaltenen Filmen der Produktionsfirma Decla rekonstruiert. Die restaurierte Fassung hatte 2016 auf der Berlinale Premiere, mit einer neuen Musik von Cornelius Schwehr, die ZDF und arte in Auftrag gegeben hatten. Die Originalmusik ist verloren.

Der Film im Werk von Fritz Lang

Der müde Tod steht am Anfang einer Reihe großer Filme, die Lang in den 1920er Jahren drehte. Es folgten Dr. Mabuse, der Spieler, die zweiteiligen Nibelungen, Metropolis, Spione und Frau im Mond. In vielen dieser Filme tauchen Motive auf, die schon im müden Tod angelegt sind: das Schicksal als unausweichliche Macht, große Architekturen und Menschen, die sich gegen eine Ordnung auflehnen, die stärker ist als sie.

Für Lang war der Film auch ein Durchbruch. Er zeigte, dass ein deutscher Regisseur mit Tricktechnik und Ausstattung international mithalten konnte. Luis Buñuel und Alfred Hitchcock haben später erzählt, wie stark sie der Film beeindruckt hat. Für heutige Zuschauer ist er ein guter Einstieg in den Stummfilm, weil die Handlung klar ist und die Episoden abwechslungsreich sind.

Der Titel dieses Beitrags verspricht einen kostenlosen Klassiker, und das ist nur zum Teil richtig. In Deutschland ist Der müde Tod noch urheberrechtlich geschützt. Die Schutzfrist eines Films endet hier 70 Jahre nach dem Tod des letzten maßgeblichen Urhebers. Fritz Lang starb 1976, sein Werk ist damit bis Ende 2046 geschützt. In den USA dagegen ist der Film als Veröffentlichung von 1921 gemeinfrei, deshalb kursieren dort freie Fassungen in schlechter Qualität.

Wie die Mediatheken funktionieren, erklärt der Beitrag über Filme in den Mediatheken. Langs ersten Tonfilm stellt der Beitrag über M – Eine Stadt sucht einen Mörder vor. Hintergründe zur Restaurierung bietet die Murnau-Stiftung.

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