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Webserien

Wo steht die Webserie?

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Vor zwanzig Jahren galt die Webserie als Zukunft des Fernsehens. Dann kamen Streamingdienste mit großen Budgets. Ist die Form damit erledigt? Ein Blick zurück und auf den aktuellen Stand.

Die Anfänge

Als Breitband-Internet und YouTube Mitte der 2000er Jahre zusammenkamen, entstanden die ersten Serien, die nur fürs Netz gedreht wurden. Großes Aufsehen erregte 2006 lonelygirl15: Video-Tagebücher einer Jugendlichen, die viele Zuschauer für echt hielten, bis sich herausstellte, dass eine Schauspielerin die Rolle spielte. Die Serie zeigte, wie stark das Netz die Grenze zwischen Fiktion und Vlog verwischen konnte.

2007 startete The Guild von und mit Felicia Day, eine Komödie über eine Gruppe von Online-Spielern. Sie wurde zum Vorbild für viele kleine Produktionen: wenige Drehorte, kurze Folgen, ein klar umrissenes Publikum. Während des Streiks der US-Drehbuchautoren 2007 und 2008 drehte Joss Whedon mit Dr. Horrible's Sing-Along Blog ein Musical für das Netz, das auch professionelle Autoren auf die Form aufmerksam machte.

Wichtige Stationen der Webserie, international und in Deutschland
Wichtige Stationen der Webserie, international und in Deutschland

Die deutsche Szene

In Deutschland war die Lage schwieriger. Es fehlte an Werbeerlösen und an Portalen, die Webserien dauerhaft zeigen wollten. Viele Projekte entstanden mit Leidenschaft und ohne Budget, und viele endeten nach wenigen Folgen. Fernsehsender experimentierten trotzdem: 2011 lief beim ZDF Wer rettet Dina Foxx?, ein crossmedialer Krimi, der Fernsehfilm und Internet über mehrere Wochen verband.

Einen Schub brachte 2016 funk, das gemeinsame Online-Angebot von ARD und ZDF für junge Menschen. Mit Wishlist entstand dort eine Mystery-Serie für YouTube, die 2017 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. 2018 folgte Druck, die deutsche Fassung der norwegischen Jugendserie Skam. Webserien hatten damit zum ersten Mal ein verlässliches öffentlich-rechtliches Zuhause.

Was die Streamingdienste verändert haben

Mit Netflix, Amazon und den Mediatheken wurde das Fernsehen selbst zum Netzangebot. Die Grenze, die den Begriff Webserie ursprünglich ausmachte, verschwand. Viele Ideen aus der Webserien-Szene wanderten in größere Produktionen: kurze Folgen, Erzählen über mehrere Plattformen, Figuren mit eigenen Social-Media-Profilen.

Gleichzeitig ist es für unabhängige Teams schwerer geworden, aufzufallen. Wer heute eine Webserie dreht, konkurriert mit Hochglanzserien und mit endlosem Kurzvideo-Material. Wie man das trotzdem angeht, steht in den fünf Tipps für Webserien-Produzenten.

Die neuen Formen

Die Webserie hat sich aufgeteilt. Auf Plattformen für Kurzvideos erzählen Creator Geschichten in Folgen von einer Minute, oft im Hochformat. Fiktionale Formate auf Instagram oder TikTok funktionieren nach eigenen Regeln: Figuren sprechen direkt in die Kamera, Kommentare fließen in die Handlung ein. Daneben gibt es weiterhin klassische Webserien mit Folgen von zehn bis zwanzig Minuten, die auf Festivals laufen und als Visitenkarte für größere Projekte dienen.

Wo man Webserien heute findet

Webserien verteilen sich heute auf viele Orte. Auf YouTube laufen klassische Formate mit Folgen von zehn Minuten und mehr. Die Mediatheken von ARD und ZDF zeigen die Produktionen von funk und eigene digitale Serien. Kurzserien im Hochformat finden sich auf Instagram und TikTok, wo sie oft nicht als Serie erkennbar sind, weil die Folgen zwischen anderen Videos auftauchen.

Wer gezielt nach unabhängigen Produktionen sucht, wird auf Festivals fündig. Seit Mitte der 2010er Jahre gibt es auch in Deutschland Festivals, die sich ausdrücklich auf Webserien spezialisiert haben. Sie zeigen Folgen im Kino, vergeben Preise und bringen Macher mit Sendern und Produktionsfirmen zusammen. Dazu kommen Kategorien für serielle Formate bei Kurzfilmfestivals.

Für Zuschauer ist das Angebot unübersichtlich, für Macher bedeutet es Freiheit bei der Wahl der Plattform. Die Entscheidung sollte vom Format abhängen: Eine Serie mit langen Dialogszenen funktioniert auf YouTube besser als im Strom kurzer Clips.

Fazit

Die Webserie ist nicht verschwunden, sie hat nur ihren Sonderstatus verloren. Was bleibt, ist die Freiheit: Wer eine Idee hat, kann sie ohne Sender und ohne Erlaubnis umsetzen und direkt zeigen. Wie solche Projekte bezahlt werden, beschreibt der Beitrag Webserien finanzieren. Eine Übersicht der Begriffe und Beispiele bietet der Wikipedia-Artikel Webserie.

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