Born of Hope und die Kunst des Fanfilms
2009 erschien ein rund einstündiger Film, der die Vorgeschichte von Aragorn erzählt. Gedreht wurde er nicht von einem Studio, sondern von Fans in Großbritannien. Born of Hope ist bis heute ein Maßstab für Fanfilme.
Ein Film für 25.000 Pfund
Regie führte Kate Madison, die den Film auch produzierte. Sie steckte rund 8.000 Pfund aus eigener Tasche in das Projekt. Nachdem ein Trailer im Netz erschienen war, kamen weitere etwa 17.000 Pfund von Unterstützern dazu. Mit insgesamt 25.000 Pfund entstand ein Film mit Schwertkämpfen, Kostümen und Drehorten in der britischen Landschaft, gespielt und gedreht von vielen Freiwilligen.
Seine Premiere hatte Born of Hope 2009 auf einer Fan-Convention. Am 1. Dezember 2009 wurde er kostenlos online gestellt, zunächst auf Dailymotion, später auf YouTube. Dass ein Fanfilm frei im Netz steht, ist kein Zufall: Geld darf mit ihm nicht verdient werden.
Warum der Film funktioniert
Born of Hope versucht nicht, die großen Kinofilme zu kopieren. Er erzählt eine Geschichte, die in Tolkiens Anhängen nur angedeutet ist: die Eltern von Aragorn und die Zeit, in der die Dúnedain im Norden ums Überleben kämpfen. Das gibt dem Film Freiheit. Er braucht keine riesigen Schlachten, sondern kann sich auf wenige Figuren konzentrieren.
Für Webserien und Kurzfilme lässt sich daraus viel lernen. Ein begrenztes Budget zwingt zu einer Geschichte, die mit wenigen Orten und Figuren auskommt. Die Kampagne zum Film zeigt außerdem, wie Crowdfunding mit einem überzeugenden Trailer funktionieren kann. Das Team blieb nach dem Erfolg zusammen und arbeitete an einer eigenen Fantasy-Webserie weiter.
Fanfilm und Urheberrecht
Fanfilme bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Figuren, Orte und Handlung gehören den Rechteinhabern. Wer einen Film in einer fremden Welt dreht, braucht streng genommen deren Erlaubnis. In der Praxis werden viele Fanfilme geduldet, solange sie nicht kommerziell sind, kein Geld mit dem Film verdient wird und keine Verwechslung mit offiziellen Produktionen entsteht.
Wie schnell sich das ändern kann, zeigte ein Fall um Star Trek. Ein aufwendig über Crowdfunding finanzierter Fanfilm führte 2015 zu einer Klage der Rechteinhaber. Danach veröffentlichten diese Richtlinien für Star-Trek-Fanfilme, die unter anderem Länge, Finanzierung und Kennzeichnung begrenzen. Andere Franchises haben keine solchen Regeln, was die Lage für Fans nicht einfacher macht.
Was das Handwerk angeht
Fanfilme sind für viele Beteiligte eine Filmschule. Wer bei einem großen Fanprojekt Kostüme näht, Kämpfe choreografiert oder Masken baut, sammelt Erfahrung, die in professionellen Produktionen gefragt ist. Auch Born of Hope wäre ohne die vielen Freiwilligen vor und hinter der Kamera nicht möglich gewesen.
Für eigene Projekte lohnt sich dieser Blick über das Filmumfeld hinaus. Mittelaltermärkte, Reenactment-Vereine, Theatergruppen und Kostümbildnerinnen an Bühnen haben oft Ausrüstung und Wissen, das eine kleine Produktion nie bezahlen könnte. Viele helfen gern, wenn das Projekt ernsthaft geplant ist und sie im Abspann genannt werden.
Auch die Postproduktion ist bei Fanfilmen oft erstaunlich aufwendig. Farbkorrektur, Musik und digitale Effekte entstehen häufig in Heimarbeit über Monate. Ein realistischer Zeitplan, der diese Phase nicht unterschätzt, ist deshalb wichtiger als die perfekte Ausrüstung am Drehtag.
Eigene Welt statt fremder Marke
Viele Teams, die mit Fanfilmen begonnen haben, wechseln irgendwann zu eigenen Stoffen. Die Erfahrung mit Kostüm, Kampfchoreografie und Effekten bleibt, das rechtliche Risiko fällt weg, und das Projekt gehört dem Team. Für eine Webserie mit langfristigen Plänen ist das meist der bessere Weg.
Weitere Hintergründe zum Film stehen im englischen Wikipedia-Artikel zu Born of Hope. Mehr über serielles Erzählen im Netz versammelt die Rubrik Webserie.
