Internet killed the cinema star?
Schon als die ersten Spielfilme im Netz auftauchten, wurde das Ende des Kinos ausgerufen. Seitdem sind Streamingdienste zu Großmächten geworden. Das Kino gibt es immer noch, aber es hat sich verändert.

Eine alte Angst
Die Sorge ist älter als das Internet. In den 1950er Jahren sollte das Fernsehen das Kino töten, in den 1980ern die Videokassette. Jedes Mal haben Kinos Zuschauer verloren und jedes Mal haben sie reagiert: mit Breitwand und Farbe, mit Multiplexen, mit besserem Ton und bequemeren Sesseln. Das Kino hat überlebt, indem es etwas angeboten hat, das zu Hause nicht ging.
Was Streaming verändert hat
Mit Netflix, das 2014 in Deutschland startete, und den Angeboten von Amazon, Disney und anderen hat sich die Lage noch einmal grundlegend verschoben. Viele Filme laufen heute nur noch wenige Wochen im Kino oder gar nicht. Produktionen werden direkt für Streamingdienste gedreht. Der Zeitraum zwischen Kinostart und Heimkino-Auswertung, das sogenannte Auswertungsfenster, ist deutlich kürzer geworden.
Für kleinere Filme ist das zweischneidig. Einerseits finden Arthouse-Produktionen und Dokumentarfilme über Streaming ein Publikum, das kein Programmkino in der Nähe hat. Andererseits verschwinden sie in riesigen Katalogen, in denen Algorithmen bestimmen, was Zuschauer zu sehen bekommen.
Die Technik im Saal
Auch das Kino selbst ist digital geworden. Der klassische 35-Millimeter-Projektor, wie er auf dem Foto oben zu sehen ist, wurde in den 2010er Jahren fast überall durch digitale Projektion ersetzt. Filme kommen heute als Datenpaket ins Kino statt auf schweren Filmrollen. Für Programmkinos war die Umstellung teuer, viele konnten sie nur mit Förderprogrammen stemmen. Einige Häuser halten zusätzlich einen analogen Projektor bereit und zeigen Filmkopien zu besonderen Anlässen.
Was das Kino bietet
Wer zu Hause einen Film sieht, sieht ihn mit Unterbrechungen: das Handy, der Kühlschrank, die Pausetaste. Im Kino gibt man diese Kontrolle ab. Das verändert, wie ein Film wirkt. Lange Einstellungen, Stille und langsame Geschichten funktionieren im dunklen Saal besser als auf dem Sofa.
Dazu kommt das gemeinsame Erleben. Lachen ist ansteckend, Spannung auch. Festivals, Filmreihen und Gespräche nach der Vorführung machen das Kino zu einem Ort, an dem über Filme gesprochen wird. Gerade für Kurzfilme ist das wichtig, denn sie haben im Fernsehen und bei Streamingdiensten kaum Platz.
Kinos, die neue Wege gehen
Viele Kinos haben auf die Konkurrenz durch Streaming mit eigenen Ideen reagiert. Programmkinos zeigen Filmreihen zu Themen und Regisseuren, laden Filmemacher zu Gesprächen ein oder kombinieren Vorführungen mit Lesungen und Konzerten. Andere setzen auf Komfort: große Sessel, Bedienung am Platz, besonders gute Projektion und Tonanlagen.
Auch Kurzfilmabende, Stummfilmkonzerte und Open-Air-Kinos im Sommer ziehen ein Publikum an, das zu Hause eher selten einen Film von Anfang bis Ende sieht. Gemeinsam ist diesen Angeboten, dass sie aus dem Filmsehen ein Ereignis machen. Genau das kann ein Bildschirm zu Hause nicht leisten.
Für unabhängige Filmemacher sind solche Kinos wichtige Partner. Viele zeigen auch lokale Produktionen und laden zur Premiere ein, wenn das Team selbst Publikum mitbringt. Eine Anfrage beim Programmkino der eigenen Stadt kostet nichts und führt öfter zum Erfolg, als man denkt.
Für Filmemacher
Für alle, die selbst Filme machen, ist das Netz trotzdem ein Glücksfall. Noch nie war es so leicht, einen Film zu veröffentlichen und ein Publikum zu finden. Webserien, Kurzfilme und Dokumentationen erreichen online Menschen, die nie ein Festival besuchen würden. Der Weg ins Kino bleibt dennoch für viele ein Ziel. Ein Film, der auf großer Leinwand vor Publikum läuft, ist eben etwas anderes als ein Video unter vielen.
Wie man Filme legal online sieht, ohne auf zweifelhafte Seiten zu geraten, beschreibt der Beitrag über Mediatheken. Zahlen zum deutschen Kinomarkt veröffentlicht regelmäßig die Filmförderungsanstalt.
