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Filmproduktion

Crowdfunding für Spielfilme

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Seit Anfang der 2010er Jahre finanzieren Filmemacher ihre Projekte teilweise über viele kleine Beiträge aus dem Netz. Das klappt erstaunlich oft, aber selten von allein.

Wie es funktioniert

Beim klassischen Crowdfunding stellt ein Team sein Projekt auf einer Plattform vor, nennt ein Finanzierungsziel und eine Laufzeit. Unterstützer zahlen Beträge ihrer Wahl und erhalten dafür Dankeschöns: einen Download des fertigen Films, eine Nennung im Abspann, eine Einladung zur Premiere, manchmal eine kleine Rolle. Die meisten Plattformen arbeiten nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip. Wird das Ziel nicht erreicht, fließt kein Geld.

Alles oder nichts: Das Geld fließt nur, wenn die Zielmarke erreicht ist
Alles oder nichts: Das Geld fließt nur, wenn die Zielmarke erreicht ist

In Deutschland startete Startnext 2010 in Dresden und wurde schnell zur wichtigsten Plattform für Film- und Kulturprojekte. Kickstarter ist seit 2015 auch für deutsche Projekte offen.

Das Beispiel Stromberg

Das bekannteste deutsche Beispiel ist Stromberg. Im Dezember 2011 suchten die Macher Geld für einen Kinofilm zur Bürokomödie und sammelten innerhalb einer Woche rund eine Million Euro von etwa 3.000 Unterstützern. Das war allerdings kein Spenden-Crowdfunding: Die Geldgeber wurden am Erfolg des Films beteiligt. Die eine Million deckte etwa 30 Prozent der Produktionskosten von 3,3 Millionen Euro. Der Film kam im Februar 2014 in die Kinos.

Das zeigt die Grenze des Modells. Eine bekannte Marke mit treuen Fans kann viel Geld bewegen. Ein unbekanntes Debüt sammelt eher Beträge, die für einen Kurzfilm oder eine Webserie reichen.

Kleine Projekte, großer Effekt

Für Fanfilme und unabhängige Produktionen ist Crowdfunding oft der einzige Weg zu Geld. Die britische Regisseurin Kate Madison finanzierte ihren Herr-der-Ringe-Fanfilm Born of Hope zum Teil durch Unterstützer, die nach einem Online-Trailer Geld beisteuerten. Ähnlich arbeiten viele Webserien: Die erste Folge entsteht mit eigenen Mitteln, die Kampagne finanziert die Fortsetzung.

Was eine Kampagne braucht

  • Ein Video: Es sollte zeigen, dass das Team drehen kann. Ein Teaser oder eine fertige Szene wirkt stärker als ein Gespräch vor der Kamera.
  • Ein realistisches Ziel: Lieber die Untergrenze dessen, was wirklich nötig ist, und ein zweites Ziel für Extras.
  • Gute Dankeschöns: Was nichts kostet, aber persönlich ist, funktioniert oft am besten. Versandkosten für T-Shirts und DVDs werden gern unterschätzt.
  • Eine Community vorher: Die ersten Tage entscheiden. Wer vor dem Start keine Unterstützer im Umfeld hat, startet ins Leere.
  • Regelmäßige Updates: Auch nach der Kampagne wollen Unterstützer wissen, wie es weitergeht.

Nach der Kampagne

Viele Teams unterschätzen, was nach dem erfolgreichen Ende einer Kampagne kommt. Die Plattform behält eine Gebühr ein, dazu kommen Kosten für die Zahlungsabwicklung. Von der Zielsumme kommt deshalb nicht alles beim Projekt an. Ein Teil des Geldes ist außerdem bereits für Dankeschöns verplant, die produziert und verschickt werden müssen.

Dann beginnt die eigentliche Arbeit: drehen, schneiden, fertigstellen. Unterstützer erwarten Nachrichten über den Fortschritt, und sie verzeihen Verzögerungen eher, wenn sie offen erklärt werden. Viele erfolgreiche Teams schreiben einmal im Monat ein kurzes Update mit Fotos vom Set oder einem Ausschnitt aus dem Schnitt. Das hält das Interesse wach und schafft eine Gemeinschaft, die beim nächsten Projekt wieder dabei ist.

Am Ende steht die Auslieferung der Dankeschöns. Wer den Film als Download verspricht, braucht eine einfache Lösung für passwortgeschützte Links. Wer zur Premiere einlädt, braucht einen Saal mit genug Plätzen. Eine Liste aller Zusagen aus der Kampagne, die im Team regelmäßig abgehakt wird, verhindert, dass jemand vergessen wird.

Crowdinvesting und Rückstellungen

Neben dem Spendenmodell gibt es Crowdinvesting, bei dem Unterstützer am Erlös beteiligt werden wie bei Stromberg. Das ist rechtlich anspruchsvoller und lohnt sich nur bei Projekten mit echter Aussicht auf Einnahmen. Viele kleine Produktionen kombinieren Crowdfunding mit Rückstellungsverträgen: Cast und Crew verzichten zunächst auf einen Teil der Gage und werden bezahlt, falls der Film Geld einbringt.

Welche weiteren Geldquellen für serielle Formate infrage kommen, steht im Beitrag Webserien finanzieren. Die Hintergründe zum Stromberg-Film fasst der Wikipedia-Artikel zusammen.

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